Sonntag, 29. Juni 2014

Tag 6 - von Derryvunny über Leitrim nach Dumshanbo

Nach dem Frühstück überlegen wir uns unser Tagesziel.
Es soll Leitrim sein.
Da es bis dorthin nicht allzu weit ist, befahren wir den Lough Key auch im Süden um einen Blick auf Castle Island werfen zu können.
 
 
Wir haben kein Dingi, so können wir nicht anlegen. Aber im Reiseführer steht, dass man das Gebäude eh nicht betreten darf, da es nach einem Brand einsturzgefährdet ist.
 
 
Und so fahren wir einfach nur langsam dran vorbei und stellen uns vor, wie wohl das Leben auf so einer Burg gewesen sein muss.
 
 
Zurück geht es wieder durch die Clarendon Lock...
 
 
...und den Boyle River.
 
Ich habe in diesem Urlaub 1200 Fotos geschossen. :-)
 
 
Wir kommen an einer kleinen Insel vorbei mit vielleicht 200 m Durchmesser. Kein Haus, kein Mensch....aber 2 Pferde!
 
 
Während ich mich frage, was sie dort machen und wie sie dort hinkommen, steht dieses wunderschöne Tier sehr unbeeindruckt von uns am Ufer.
 
 
Was für ein Pferdeleben!

 
Wir erreichen Leitrim nach 2,5 Stunden. Ein kleiner Anleger, eigentlich ganz hübsch. Aber wieder finden Kapitän M. und ich es ganz furchtbar hier. Die Toiletten sind das Letzte. Jede Autobahntoilette ist besser.
Die Kinder wollen eigentlich nicht weiter, aber mich bedrückt der Gedanke hier übernachten zu müssen.
 
Wir gehen in den Ort und finden einen Pub in dem wir einen Burger essen. Und...es gibt kostenloses Wifi. Unser erster Kontakt zur Außenwelt. ;-)
Kapitän M. checkt die Mails und die Wetterprognosen.
Kapitän zur Ausbildung L. und die Energiezecke J. ärgern sich, dass sie ihre Geräte an Bord gelassen haben. ;-)
Der Burger ist lecker und wir können die Kids bequatschen noch weiter zu fahren.
Vorher wollen wir aber noch einkaufen. Unsere Milch ist schlecht.
Einen Supermarkt gibt es nicht. Nur eine Tankstelle. Aber Milch kriegen wir auch hier.
 
Erinnerungsbild aus Leitrim.
 
 
Und dann geht es weiter. Neues Ziel Drumshanbo.
 
Wieder verlassen wir den schiffbaren Teil des Shannon.
Solch einen Rat sollte man unbedingt beachten! ;-)
 
 
Der Kanal Richtung Lough Allen ist nur für Boote mit max. 4,00 m Breite befahrbar. Unser Boot ist 3,60 m breit. Wir fühlen uns auf sicherer Seite.
 
Die erste Schleuse erscheint bereits kurz hinter Leitrim. Da dort gerade Bauarbeiten im Wasser stattfinden müssen wir anlegen und haben ein echt nettes und lustiges Gespräch mit einem Bauarbeiter. Wir reden über Fußball, Bier und Steaks und Michael Schumacher.
 
Als wir dann weiter können erschreckt uns die Breite der Schleuse.
 
 
Da aber ein Boot raus kommt, muss das doch irgendwie passen. Wir fahren mutig los (wir haben auch eigentlich keine andere Wahl) und bleiben beim Einfahren in der Schleuse stecken. Es macht furchtbare Geräusche und Kapitän M. ist echt gestresst. Wir blicken verzweifelt zum Schleusenwart, der uns zuwinkt, das wir weiterfahren sollen. Am liebsten würden wir rückwärts wieder raus aus der Schleuse, aber auch das geht nicht. Wir fahren also vorwärts, während rechts und links unsere Fender an der Schleusenwand entlangschrappen.
 
Irgendwann sind wir drin. Es ist ein Albtraum. Wir haben Angst das Boot beschädigt zu haben.
 
 
Der Schleusenwärter ist im Gegensatz zu uns recht entspannt und schafft es irgendwie uns auf der einen Seite die Fender hochzunehmen und auf das Boot zu legen. So haben wir keinen Schutz auf dieser Seite, sollen aber wohl besser in die nächste Schleuse kommen....
 
...die soll noch enger sein!!!
 
Wir fragen uns wie das möglich sein soll und ob in Irland die Maßangaben andere sind. Die Nerven liegen wirklich blank, aber es kommt noch schlimmer als der Schleusenwart uns bei der Ausfahrt noch mitteilt, das uns auf dem Weg zur nächsten Schleuse irgendwann ein anderes Schiff entgegen kommt!
 
Wir fragen uns ob das ein Witz sein soll, aber es ist leider keiner. Er meint, es sollte eigentlich passen (was heißt denn hier EIGENTLICH???) und wir sollen einfach nur "nice and slowly" fahren.
 
Aha, ok...na dann...
 
Die Gegend hier ist traumhaft schön, aber ich bin froh, dass ich die Bilder habe, denn als wir hier gefahren sind, lagen bei allen die Nerven blank und man konnte die Umgebung nur so bedingt genießen.
 
 
Kurz hinter der Schleuse kommt eine Fußgängerbrücke. Von ihr habe ich keine Fotos, denn es war einfach keine Zeit ein Foto zu machen. Kapitän M. hat Probleme das Boot unter Kontrolle zu bekommen und so fahren wir schräg unter die Brücke, die ähnlich breit ist wie die Schleuse und schlagen auf der rechten Seite an. Ich versuche noch das Boot wieder abzustoßen, aber die Kräfte von so einem Boot sind schon heftig und es zerfetzt uns einen Fender.
Scheiße!
 
Aber nachdem der Fender kaputt ist, setzt es irgendwie in unserem Hirn aus. Wir haben vor dem Urlaub eine extra Versicherung abgeschlossen um das Boot abzusichern. 150 Euro Eigenbeteiligung. Da wir keine Ahnung haben was so ein Fender kostet...who reads the fucking manual?...denken wir uns, wenn jetzt eh die Eigenbeteiligung weg ist, können wir auch das ganze Boot kaputt fahren. Wir lachen hysterisch und entspannen uns irgenwie...
 
...bis uns das andere Boot entgegenkommt!
 
Während wir uns an "nice and slowly" halten kommt uns das andere Boot genau in einer Kurve mit richtig Speed entgegen. Obwohl ich mit Haken vorne am Bug stehe und seelisch darauf vorbereitet bin, geht dann alles ganz schnell und wir laufen rechts auf Grund auf.
Scheiße!
 
Ich schaffe es, dass Schiff wieder abzustoßen, aber wir haben natürlich Panik, dass etwas beschädigt ist.
Kapitän zur Ausbildung L. und die Energiezecke checken die Kabinen und die Bilge, können aber nichts entdecken.
 
Jetzt sollten wir das Schlimmste hinter uns haben.
 
Wir erreichen die zweite Schleuse.
Da sie geöffnet ist, fahren wir einfach rein.
Blöde Idee!
 
 
Jetzt sollte eigentlich ein Schleusenwärter kommen und uns das Seil abnehmen.
Aber...
...es kommt niemand.
 
 
Wir rufen und pfeifen, aber nichts passiert.
Es ist ziemlich beängstigend in einer Schleuse mit so großem Hub zu stehen, das Boot nicht festmachen zu können und keine Ahnung zu haben, was man tun soll.
 
Wir rufen und pfeifen und fragen uns, ob wir Opfer der versteckten Kamera werden, als dann nach ca. 10 Minuten doch noch jemand auftaucht.
 
Der junge Mann entschuldigt sich dann auch, er habe bei Bauarbeiten zugesehen und nicht mitbekommen, dass jemand in die Schleuse gefahren sei.
Na super!
Aber wir sehen es ihm nach. So ein Job als Schleusenwart ist vermutlich alles andere als spannend. Vor allem in der Nebensaison.
 
Wir können kaum glauben, dass diese Schleuse enger sein soll, da wir so gut reingekommen sind, aber vielleicht liegt es auch daran, dass wir die Fender oben haben.
 
Ein stolzer Blick zurück...da war es nur noch eine.
 
 
Der letzte Abschnitt des Kanals ist Gott sei Dank ruhig und ohne Vorkommnisse.
 
Endlich können wir ein wenig entspannen.
 
 
Es ist eigentlich super schön hier.
Wenn es nur keine Schleusen und andere Boote gäbe! ;-)
 
 
Vor der letzten Schleuse eine letzte Brücke, aber die schaffen wir ohne anzustoßen.
Inzwischen sind wir ein ganz gutes Team und wissen, was wir tun müssen.
Übung macht den Meister.
 
 
Die letzte Schleuse stellt keine Schwierigkeit dar.
 
 
Ich habe sogar die Muße ein Bild vom Schild zu machen. ;-)
 
 
Wir sind so unglaublich erleichtert, dass es bei einem beschädigten Fender geblieben ist und überlegen, ob wir beim Heimathafen anrufen und fragen sollen, ob unser Rücktransfer von hier stattfinden kann. Daran, dass wir das Ganze nochmal zurückfahren müssen, wollen wir heute nicht mehr denken.
 
Als Belohnung für die Strapazen der letzten 2,5 Stunden gibt es saubere Duschen, die Möglichkeit unsere Wäsche zu waschen und....
 
einen wunderschönen Sonnenuntergang!
 
 
 
 
 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Kommentare:

  1. Es ist nicht nett, aber ich habe laut gelacht... ich kenne diese Schleusen-Panik nur allzu gut. Ätzend! Und dann noch als Familie auffem Kahn.... ujujuiiii.
    Schön, dass ihr es so gut gemeistert habt und danke, dass ich teilhaben darf. Wie immer zauberhafte Fotos und auch nen klasse Text!
    Liebe Grüße
    Linda

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    1. Liebe Linda,

      du darfst ruhig lachen. Heute und mit einigen Kilometern Entfernung kann ich das auch! ;-)

      Ganz liebe Grüße
      Gesa

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  2. hej hej, herrlich euer Abenteuer, man kann die Panik förmlich lesen ♥

    wann geht es denn weiter????

    LG Tina

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    1. Huhu liebe Tina,

      hast du den Angstschweiß gerochen?

      Heute geht's weiter. Sorry für's lange warten, ich hatte so viel anderes zum die Ohren!

      Ganz liebe Grüße

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