Mittwoch, 18. November 2015

Löwenzahn - auf den Spuren des Rucola



Heute hatte ich in meiner grünen Biokiste Löwenzahn aus Italien.


Da musste ich doch ziemlich schmunzeln.
Wieso brauche ich Löwenzahn aus Italien, wenn ich doch den besten bayrischen Biolöwenzahn direkt auf meiner Wiese im Garten habe?

Ein Grund könnte sein, dass der Löwenzahn gerne in die Fußstapfen des Rucola treten möchte.
Diese nette, ursprünglich als Rauke in Deutschland bekannte, Pflanze, hatte es nicht leicht bei uns.
Sie war nämlich als Unkraut verschrien. 
Und was macht unsere Gesellschaft gerne mit Unkraut? 
Man versucht es auszurotten.

Bei der Rauke ist es uns GsD nicht gelungen.
Nach einigen Jahren, in denen niemand mehr über dieses Kraut gesprochen hat, kam sie plötzlich in neuem Gewand daher.
Oder besser...
...unter neuem Namen.
Rucola...
...aus Italien!

Und die Itliener wissen doch, was gut ist, oder?

Seitdem erfreut sich Rucola größter Beliebtheit und ist von unserem Speiseplan kaum mehr wegzudenken.

Der Löwenzahn geht nun gerade denselben schweren Weg.
Als Unkraut betitelt, versuchen die Gärtner, die gerne einen Wimbeldonrasen vorzeigen mögen, ihm Herr zu werden.
Meist ohne Erfolg.

Als ich letztes Jahr im Rahmen meiner Kräuterpädagogenausbildung versuchte, meinem Mann dieses nette Gewächs auf den Teller zu bringen, war sein Kommentar:

"Wenn man Löwenzahn essen könnte, dann könnte man ihn auch im Rewe kaufen!"

Das muss der kleine Löwenzahn wohl gehört haben. 
Denn bereits im Sommer sah ich in zum ersten Mal auf dem Wochenmarkt.

Und jetzt, als Delikatessensalat...
...eben aus Italien.

Da könnte man sich jetzt schon fragen, warum wir Menschen uns so für dumm verkaufen lassen, oder?

Aber das frage ich nicht.

Ich zeige euch lieber, was man Leckeres mit diesem wunderbaren Löwenzahn machen kann.
Dafür muss er auch nicht aus Italien sein, es tut auch der aus eurem Garten.

Vorausgesetzt, ihr kippt nicht irgendwelches Giftzeug auf eure Wiese.

Bei uns gab es also heute Spaghetti mit Löwenzahn-Pesto.

Dafür habe ich den Löwenzahn nur kurz abgebraust und in der Salatschleuder trocken geschleudert. Bitte legt euren Löwenzahn nicht stundenlang ins Wasser. Viele wichtige Inhaltsstoffe sind wasserlöslich und gehen euch so verloren.

Dann hab ich ihn grob kleingeschnitten und mit Olivenöl im Mixer kleingehäckselt.


An dieser Stelle muss ich natürlich wieder kurz eine Ode an gutes Olivenöl halten.

Bitte kauft euch gutes Olivenöl.
Es braucht echt nicht viele Zutaten um ein leckeres Essen zuzubereiten. 
Ein einfacher Tomatensalat mit Basilkum;
Spaghetti mit Petersilie und Knoblauch 
oder der Klassiker Tomate-Mozzarella,
alle diese Gerichte leben durch das Olivenöl.

Ok, genug der Rede.

Nachdem ich den Löwenzahn nun in pürierter Form vorliegen hatte,
stellte ich fest, das es für eine Mahlzeit zuviel sein würde.

Deshalb füllte ich einiges davon in kleine Gläschen.


Wichtig ist, dass ihr oben als Abschluss nochmal Olivenöl aufgiest.
So hält sich das Ganze im Kühlschrank ein Weilchen frisch.

Dann habe ich in etwas Olivenöl eine fein gehackte Knoblauchzehe angedünstet und ein paar Tomatenspalten zugegeben.

In der Zwischenzeit wurden die Spaghetti gegart.

Nachdem diese fertig waren, hab ich sie zu den Knoblauchtomaten gegeben und das Pesto untergerührt. 
Gewürzt wird mit Salz und Pfeffer.
Besonders gut schmeckt das Ganze, wenn ihr euch ein paar geröstete Pinienkerne und etwas frisch geriebenen Parmesan gönnt.

Guten Apetit!


So, jetzt fragt ihr euch vielleicht trotzdem immer noch:
"Warum sollte ich Löwenzahn überhaupt essen?
Basilikum-Pesto ist doch auch fein!"

Es gibt sicher nichts, was gegen Basilikum-Pesto, aber vieles, was für Löwenzahn-Pesto spricht.

Löwenzahn ist ein Wildkraut.
Und Wildkräuter haben gegenüber unseren Kulturpflanzen einen unglaublichen Vorteil.
Sie besitzen einen hohen Anteil sekundärer Inhaltsstoffe.

Aber was ist das und warum nützt uns das?

Die sekundären Inhaltsstoffe bildet eine Pflanze um besser überleben zu können.
Sie passt sich damit an z. B. Umgebungstemperaturen an oder wehrt sich gegen Fraßfeinde.

Unseren Kulurpflanzen ist ein Großteil dieser sekundären Inhaltsstoffe verloren gegangen, da sie durch unseren Anbau und unsere Pflege immer optimale Bedingungen vorfinden. 
Sie haben es also gar nicht mehr nötig,
diese sekundären Inhaltsstoffe zu bilden.

Für uns sind diese Stoffe aber gesundheitlich von größter Bedeutung.
Denn die meisten von ihnen wirken sich positiv auf unsere Gesundheit aus. 
Natürlich gibt es da auch Ausnahmen und deshalb sollte man nur essen, was man kennt. 

Im Löwenzahn, zum Beispiel, gibt es sehr viele Bitterstoffe.
Diese Bitterstoffe wirken sich positiv auf unseren Magen-Darmbereich aus. Sie sind apetitfördernd, regen die Verdauung an (vor allem die Fettverbrennung) und stärken unser Abwehrsystem.
Ein netter Nebeneffekt ist unter anderem, dass Heißhungerattacken auf Süßes unterbunden werden.

Leider sind Bitterstoffe fast vollständig von unserem Speieplan verschwunden.
Da uns Nahrung in Hülle und Fülle zur Verfügung steht, können wir sehr wählerisch sein, was unser Essen angeht und Süßes schmeckt doch so viel besser als Bitteres.
 Viele unsere Wohlstandserkrankungen hätten wir uns aber sparen können, wenn wir die Bitterstoffe nicht komplett aus unserem Speiseplan gestrichen hätten.

Zeit also, umzudenken!

Denn an Bitterstoffe kann man sich wieder gewöhnen. Und wenn man zunächst mit kleinen Dosen anfängt, empfinden wir die Speisen bald gar nicht mehr als soooo bitter.
Unsere Gesundheit wird es uns danken.

Leider ist es beim Löwenzahn so, dass gerade seine Bitterkeit ihm das Leben auf dem Wochenmarkt etwas schwer macht und man dazu übergeht,
gebleichten Löwenzahn zu produzieren.
Dieser enthält dann weniger Bitterstoffe.

Die Frage ist, warum sollte ich ihn dann essen?
Weil es "in" ist?
Salat ohne irgendwelche Nährwerte gibt es schon genug.

Ich kann euch nur empfehlen,
es mal mit den Bitterstoffen zu versuchen.
Und den Löwenzahn direkt von der eigenen Wiese zu essen
ist doch auch unglaublich praktisch.

Anmerkung: Bitte aufpassen, wenn ihr eine Allergie gegen Korbblütler habt! 




Kommentare:

  1. Wow, das sieht ja wirklich zum anbeißen aus. Da läuft einem direkt das Wasser im Mund zusammen.
    Liebe Grüße
    Judith

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    1. Dankeschön, liebe Judith, vielleicht magst du es ja im Frühling mal probieren, wenn der bayrische Schnee die grünen Blätter wieder freigibt.
      Liebe Grüße!

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